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Boden

© LfULG

Boden ist mehr als Fläche!

Böden erfüllen zahlreiche Funktionen für Mensch und Umwelt. Dazu zählen die natürlichen Bodenfunktionen wie die Lebensraumfunktion, die Speicherfunktion für Wasser und Kohlenstoff sowie die Filter- und Pufferfunktion für Schadstoffe. Hinzu kommen die Nutzungsfunktionen, zum Beispiel als Rohstofflagerstätte, Standort für Siedlung und Verkehr sowie verschiedenste wirtschaftliche Nutzungen. Darüber hinaus sind Böden Archive der Natur- und Kulturgeschichte (siehe §2 Bundesbodenschutzgesetz).

Diese Multifunktionalität der Böden bringt große Herausforderungen mit sich, denn Böden sind eine begrenzte Ressource und ihre Nutzung steht häufig im Konflikt zu den natürlichen Bodenfunktionen.
Eingriffe in den Boden durch den Bergbau oder bei Baumaßnahmen sowie durch die Versiegelung von Flächen führen in der Regel zu einer Beeinträchtigung oder gar zum vollständigen Verlust der natürlichen Bodenfunktionen. Der Erhalt und die Wiederherstellung funktionsfähiger Böden ist Aufgabe des Bodenschutzes.

Boden im Struktur- und Klimawandel

Die Karte zeigt die Verbreitung der Kippenböden in der Bergbaufolgelandschaft der Braunkohlereviere Sachsens. Die Karte ist über iDA (interdisziplinäre Daten und Auswertungen) einsehbar.   © LfULG

Durch den Braunkohlebergbau wurden die Böden im Mitteldeutschen und Lausitzer Revier großflächig zerstört. Die aktuelle Landinanspruchnahme beider Reviere umfasst knapp 60.000 ha. Ein beträchtlicher Anteil (mehr als 40 %) dieser Flächen ist inzwischen rekultiviert und für die Land- und Forstwirtschaft wieder nutzbar gemacht worden. Diese jungen, durch menschliche Aktivitäten geprägten «Kippenböden«, sind jedoch noch äußerst empfindlich gegenüber Stoffeinträgen oder Bodenerosion. Im Bereich der Tagebaurestlöcher gingen die Böden unwiederbringlich verloren. An ihrer Stelle entstanden auf knapp einem Drittel der bergbaulich in Anspruch genommenen Flächen Bergbaufolgeseen.

Der Strukturwandel wird in den Revieren zwangsläufig zu Veränderungen der Landnutzung und zu zusätzlicher Flächeninanspruchnahme führen. Der Druck auf die begrenzte Ressource Boden wird somit auch in Zukunft steigen.

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Folglich bedürfen sowohl die verbliebenen natürlichen Böden als auch die rekultivierten Kippenböden einem verantwortungsvollen Umgang. Auf den Flächen, die durch Bergbaufolgeseen beansprucht werden (ca. 15.600 ha) ist keine Rekultivierung von Böden mehr möglich.

Das nebenstehende Diagramm zeigt die Anteile der wichtigsten Flächennutzungen in der Bergbaufolgelandschaft beider Reviere. Forst- und landwirtschaftliche Nutzungen der Kippenflächen geben Hinweise auf eine erfolgte Rekultivierung und die (teilweise) Wiederherstellung von Böden und Bodenfunktionen. Aktive Tagebauflächen wurden in die Auswertung nicht einbezogen.

Dargestellt ist die Flächennutzung in der Bergbaufolgelandschaft mit Fokus auf den rekultivierten Flächen. Die auf beide sächsischen Reviere bezogenen Nutzungsanteile setzen sich wie folgt zusammen: forstwirtschaftliche Nutzung: 33,2 %, Landwirtschaft: 13,7 %., sonstige Nutzungen: 4,4 % und »ohne Nutzung«: 19,7 %. Mehr als 80 % der Bergbaufolgelandschaft in Sachsen wurden bereits rekultiviert. Mehr als ein Viertel der Gesamtfläche sind durch Bergbaufolgeseen geprägt. Die forstliche Rekultivierung überwiegt mit ca. 33 % deutlich gegenüber der landwirtschaftlichen Rekultivierung (knapp 14 %).

Die Kategorie »sonstige Nutzungen« fasst alle Landnutzungskategorien zusammen, die nicht zur Land- und Forstwirtschaft zählen, wie zum Beispiel: Wohnnutzung, Industrie und verarbeitendes Gewerbe, etc. Für Flächen »ohne Nutzung« ist der Stand der Rekultivierung anhand der Datengrundlage nicht ableitbar, da im Amtlichen Topographisch-Kartographischen Informationssystem (ATKIS; Stand 2024) noch keine Nutzungsart zugewiesen wurde.

https://umwelt.sachsen.de/umwelt/infosysteme/ida/p/regionet-bbfl
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/32100

Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) hat das »Mission Soil Manifesto«, eine Initiative der Europäischen Kommission, unterzeichnet und damit sein Engagement für eine nachhaltige Landnutzung bekräftigt. Mit der Unterzeichnung unterstreicht das Amt die entscheidende Rolle, die regionale Einrichtungen beim Schutz der Bodengesundheit und bei der Gestaltung widerstandsfähiger Landschaften für die Zukunft spielen können.

Sachsen steht vor einer konkreten Herausforderung: der Transformation einer seit 150 Jahren für die Braunkohleförderung genutzten Landschaft. In einem inklusiven Prozess, der unterschiedliche Interessen berücksichtigt, unterstützt das LfULG die Weichenstellung für einen zukunftsorientierten Wandel.

Der Boden im Zentrum der Transformation

Rekultivierter Braunkohletagebau bei Welzow  © LfULG, R. Benning

Im Rahmen des Projekts »RegioNet WasserBoden« (Regionale Netzwerke für nachhaltiges Wasser- und Bodenmanagement) entwickelt und erprobt das LfULG ein Flächenbewertungsinstrument für das nachhaltige Management von Brach- und Kompensationsflächen. Mithilfe dieses Instruments werden ehemals industriell oder gewerblich genutzte Flächen, die inzwischen brachliegen, identifiziert und hinsichtlich einer Nachnutzung, Entsiegelung oder Renaturierung bewertet.

Dieser Ansatz leistet einen Beitrag zum Schutz wertvoller Böden, da weniger neue Flächen versiegelt werden müssen und verlorene Bodenfunktionen wiederhergestellt werden können. Wichtig ist, dass sich dieses Modell auch auf andere Regionen übertragen lässt.

Im Mittelpunkt dieser Bemühungen steht der Schutz des Bodens als natürliche Ressource. Der Bodenschutz sollte dabei jedoch kein Hindernis für den Wandel darstellen, sondern eine fundierte und ausgewogene Entscheidungsfindung unterstützen.

Zur Stärkung des Bodenschutzes und zur Gewährleistung eines sicheren Umgangs mit dem Boden werden im Rahmen des Projekts außerdem praxisnahe und anwendungsorientierte Empfehlungen für die bodenkundliche Baubegleitung erarbeitet. Diese Arbeiten erfolgen in Abstimmung mit verschiedenen Interessengruppen.

Das LfULG betont, dass ein erfolgreicher Wandel nur gelingen kann, wenn die Menschen vor Ort aktiv einbezogen werden. Deshalb bringt das Projekt Akteure aus Kommunen, Behörden und anderen Bereichen zusammen.
Dieser integrative Ansatz schafft Bewusstsein und stellt sicher, dass die Wirkung des Projekts über die üblichen Finanzierungszyklen hinaus anhält. Die Ergebnisse werden durch die geschaffenen Netzwerke, dauerhaft verfügbaren Daten sowie die im Projekt entwickelten praktischen Methoden und Bewertungsinstrumente konsolidiert

Ziele des Bodenschutzes und -managements

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Die Verbreitung der Kippenböden zeigt das Ausmaß der bergbaubedingten Bodenzerstörung und unterstreicht die Notwendigkeit, verbliebene natürliche Böden und die natürlichen Bodenfunktionen zu erhalten oder wiederherzustellen und Böden im Rahmen einer ganzheitlichen Bewertung von Flächen im Kontext des Strukturwandels stärker zu berücksichtigen. Wesentliche Ziele des Bodenschutzes sind:

  • die Begrenzung der Flächenneuinanspruchnahme auf das notwendige Minimum,
  • die verbesserte Steuerung der Flächenneuinanspruchnahme auf bereits beeinträchtigte Standorte wie z. B. Brachflächen und Kippenböden,
  • die Erarbeitung eines integrierten Flächenbewertungsinstruments (für Brachflächen) in Kooperation mit den regionalen Akteuren,
  • eine verstärkte Berücksichtigung bodenschutzfachlicher Aspekte in Genehmigungsverfahren, mit dem Ziel der Minimierung schädlicher Bodenveränderungen, beispielsweise durch den Einsatz einer bodenkundlichen Baubegleitung.

Die Böden der Lausitz entstanden überwiegend aus sandigen Ablagerungen der letzten Kaltzeit. Charakteristisch für Sandböden sind niedrige (saure) pH-Werte, eine geringe Nährstoffverfügbarkeit und ein vergleichsweise geringes Wasserspeichervermögen. Typische Bodentypen in der Lausitz sind Podsole und Braunerden. Diese verfügen, verglichen mit den Lössböden im Mitteldeutschen Revier, über eine geringe natürliche Bodenfruchtbarkeit.

Die natürlichen Böden wurden im Zuge des Braunkohleabbaus im Lausitzer Revier großflächig zerstört. Die rekultivierten Kippenböden bestehen aus umgelagerten Lockergesteinen verschiedenster Erdschichten und unterscheiden sich in ihren Eigenschaften von den natürlichen Böden der Region.

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Das Kreisdiagramm zeigt die Flächennutzung in der Bergbaufolgelandschaft des Lausitzer Reviers mit Fokus auf die rekultivierten und rekultivierbaren Flächen. Abgebildet sind die Forstwirtschaftliche Nutzung mit 38,4 %, Landwirtschaft mit 6,0 %, sonstige Nutzungen mit 2,3 % und die Kategorie »ohne Nutzung« mit 21,6 % Anteil an der Gesamtheit der Kippenböden.

Die Eigenschaften der Böden in der Bergbaufolgelandschaft des Lausitzer Reviers resultieren aus den verfügbaren Kippsubstraten (überwiegend Sande und Lehme). Aufgrund der niedrigen natürlichen Bodenfruchtbarkeit der anstehenden Substrate überwiegt hier die forstliche Rekultivierung. Der Anteil landwirtschaftlich rekultivierter Fläche beträgt daher nur 6 % der Kippenflächen.

Die Böden im Mitteldeutschen Revier entstanden aus eiszeitlichen Ablagerungen. Einen großen Flächenanteil in der Region nehmen Böden aus Löss und Sandlöss ein, welcher während der letzten Kaltzeit durch Wind abgelagert wurde. Nach dem Ende der letzten Eiszeit entwickelten sich aus den feinkörnigen Sedimenten u. a. Parabraunerden und Schwarzerden.

Lössböden verfügen über eine hohe natürliche Bodenfruchtbarkeit und zeichnen sich durch eine hohe Wasserspeicherkapazität sowie gute Filter- und Puffereigenschaften aus. Gleichzeitig sind die Lössböden aber auch verdichtungsempfindlich und erosionsgefährdet – insbesondere durch Wasser.

Im Bereich der (ehemaligen) Tagebaue, wurden die natürlichen Böden großflächig zerstört. Auf rekultivierten Flächen der Bergbaufolgelandschaft findet man heute sogenannte Kippenböden, die sich in ihren Eigenschaften deutlich von den natürlichen Böden unterscheiden.

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Das Kreisdiagramm zeigt die Flächennutzung in der Bergbaufolgelandschaft des Mitteldeutschen Reviers mit Fokus auf den rekultivierten Flächen. Abgebildet sind die Forstwirtschaftliche Nutzung mit 27,2 %, Landwirtschaft mit 22,7 %. Auf sonstige Nutzungen entfällt ein Anteil von 6,9 %.  Die Kategorie »ohne Nutzung« liegt bei 17,4 %.

Die, im Vergleich zum Lausitzer Revier, höhere Bodenfruchtbarkeit des Ausgangssubstrats zeigt sich in dem deutlich höheren Anteil an landwirtschaftlich rekultivierten Flächen (fast 23 %).

Mehr zum Thema Boden und Braunkohlebergbaufolgen auf den Boden finden Sie u. a. unter folgenden Links:

Bei Fragen oder Anregungen wenden Sie sich gerne an die zuständigen Bearbeiter (Team und Kontakte) oder an das Funktionspostfach regionet.wasser.boden@lfulg.sachsen.de.

 
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